Keine andere Röhre der Schweiz ist so sehr Symbol wie Sorgenkind zugleich: der Gotthard-Strassentunnel. Auf rund 16,9 Kilometern führt er unter dem Alpenhauptkamm hindurch, verbindet Uri mit dem Tessin und macht aus einer einst mühsamen Passfahrt über den Gotthardpass eine ganzjährig befahrbare Verbindung zwischen der Deutschschweiz und dem Süden. Als Teil der A2 zwischen Basel und Chiasso ist er das Rückgrat des alpenquerenden Verkehrs — und zugleich der Abschnitt, an dem sich die Kapazitätsgrenzen des Schweizer Nationalstrassennetzes am deutlichsten zeigen.
Eine Röhre durch den Alpenhauptkamm
Der Tunnel beginnt bei Göschenen im Kanton Uri und endet nach rund 16,9 Kilometern bei Airolo im Tessin. Er liegt auf der A2, der grossen Nord-Süd-Achse zwischen Basel, Luzern und Chiasso, und bildet damit das Kernstück der kürzesten Strassenverbindung zwischen der Deutschschweiz und Norditalien. Wer aus dem Mittelland Richtung Lugano, Mailand oder weiter in den Süden unterwegs ist, führt der Weg fast zwangsläufig durch dieses eine Bauwerk.
Damit ist der Gotthard-Strassentunnel weit mehr als eine regionale Verbindung: Er ist eine der wichtigsten alpenquerenden Routen Europas, auf der sich Ferienreiseverkehr Richtung Tessin und Adria mit grenzüberschreitendem Güterverkehr auf engstem Raum teilt.
Von der Eröffnung zur zweiten Röhre
Dem Verkehr übergeben wurde der Tunnel 1980, zunächst einröhrig mit Gegenverkehr auf zwei Fahrstreifen. Diese Bauweise geriet zunehmend in die Kritik, nachdem ein schwerer Brand im Jahr 2001 elf Menschenleben forderte und die Verwundbarkeit eines einzigen, im Gegenverkehr befahrenen Tunnelquerschnitts schmerzhaft vor Augen führte. Seither gilt die Sicherheit des Bauwerks als Daueraufgabe für Bund und Betreiber.
Die Schweizer Stimmbevölkerung hat einer zweiten Röhre zugestimmt — allerdings unter einer klaren Bedingung: Auch nach deren Fertigstellung soll pro Fahrtrichtung nur je ein Fahrstreifen offen sein, damit die Gesamtkapazität nicht ausgeweitet wird. Ziel ist ausschliesslich mehr Sicherheit durch getrennte Fahrtrichtungen und die Möglichkeit, die jeweils andere Röhre für Sanierungen zu schliessen, ohne den Tunnel komplett zu sperren. Bis zur vollständigen Umsetzung bleibt die bestehende Röhre die zentrale Lebensader des Nord-Süd-Verkehrs.
Der Gotthard ist keine Abkürzung — er ist das Nadelöhr, durch das die ganze Schweiz atmet.
Stau vor Göschenen: der Preis der Beliebtheit
Gerade weil der Gotthard so zentral ist, zählt er zuverlässig zu den staureichsten Streckenabschnitten der Schweiz. An Ostern, Pfingsten und während der Sommerferien bilden sich vor dem Nordportal bei Göschenen regelmässig kilometerlange Rückstaus, vor allem an Wochenenden mit hohem Reiseverkehr Richtung Tessin und weiter nach Italien. Weil der einröhrige Tunnel nur begrenzte Kapazität bietet, genügt schon ein einzelner liegengebliebener Lastwagen oder eine kleinere Baustelle, um den Rückstau binnen Minuten zu vervielfachen.
Als Ausweichroute bei starkem Andrang dient die A13 über den San Bernardino, die von der Ostschweiz ins Tessin führt und bei einer Sperrung oder starkem Stau am Gotthard zusätzlichen Verkehr aufnehmen kann — wenn auch mit deutlichem Umweg.
- Reisezeiten meiden: Wer ausserhalb der Spitzentage und -stunden fährt, umgeht die grössten Rückstaus vor Göschenen.
- Aktuelle Lage prüfen: Das ASTRA veröffentlicht Verkehrslage und Wartezeiten laufend auf seiner offiziellen Website.
- Alternative einplanen: Bei starkem Stau kann ein Ausweichen auf die A13 über den San Bernardino Zeit sparen — trotz Umweg.
- Rettungsgasse bilden: Sobald der Verkehr stockt, ist sofort eine Gasse für Einsatzfahrzeuge freizuhalten.
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